Carl Philipp Emanuel Bach
1758

14. Passionslied

  • Voice · C4 – Eb5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text by Christian Fürchtegott Gellert

  1. Erforsche mich, erfahr mein Herz,
    und sieh, Herr, wie ich’s meine!
    Ich denk an deines Leidens Schmerz,
    an deine Lieb und weine.
    Dein Kreuz sei mir gebenedeit!
    Welch Wunder der Barmherzigkeit
    hast du der Welt erwiesen!
    Wenn hab ich dies genug bedacht
    und dich aus aller meiner Macht
    genug dafür gepriesen?

  2. Rat, Kraft und Friedefürst und Held!
    In Fleisch und Blut gekleidet,
    wirst du das Opfer für die Welt,
    und deine Seele leidet.
    Dein Freund, der dich verrät, ist nah.
    Des Zornes Gottes Stund ist da
    und Schrecken strömen über.
    Du zagst und fühlst der Höllen Weh:
    Ist’s möglich, Vater, o so geh
    der Kelch vor mir vorüber!

  3. Dein Schweiß wird Blut, du ringst und zagst
    und fällst zur Erde nieder.
    Du, Sohn des Höchsten, kämpfst und wagst
    die erste Bitte wieder.
    Du fühlst, von Gott gestärkt, im Streit
    die Schrecken einer Ewigkeit
    und Strafen sonder Ende.
    Auf dich nimmst du der Menschen Schuld
    und gibst mit göttlicher Geduld
    dich in der Sünder Hände.

  4. Du trägst der Missetäter Lohn
    und hattest nie gesündigt,
    du, der Gerechte, Gottes Sohn!
    So war’s vorher verkündigt.
    Der Frechen Schar begehrt dein Blut;
    du duldest, göttlich groß, die Wut,
    um Seelen zu erretten.
    Dein Mörder, Jesus, war auch ich,
    denn Gott warf aller Sünd auf dich,
    damit wir Friede hätten.

  5. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt
    und doch der Größt im Herzen,
    erträgst du Spott, Schmach und Gewalt,
    voll Krankheit und voll Schmerzen.
    Wir sahn dich, der Verheißung Ziel;
    doch da war nichts, das uns gefiel,
    und nicht Gestalt noch Schöne.
    Vor dir, Herr, unsre Zuversicht,
    verbarg man selbst das Angesicht;
    dich schmähn des Bundes Söhne.

  6. Ein Opfer nach dem ew’gen Rat,
    belegt mit unsern Plagen,
    um deines Volkes Missetat
    gemartert und zerschlagen,
    gehst du den Weg zum Kreuzesstamm,
    in Unschuld stumm, gleich als ein Lamm,
    das man zur Schlachtbank führet.
    Freiwillig, als der Helden Held,
    trägst du, aus Liebe für die Welt,
    den Tod, der uns gebühret.

  7. „Sie haben meine Hände mir,
    die Füße mir durchgraben,
    und große Farren sind’s, die hier
    mich, Gott! umringet haben.
    Ich heul und meine Hülf ist fern.
    Sie spotten mein: Er klag’s dem Herrn,
    ob dieser ihn befreite!
    Du legst mich in des Todes Staub.
    Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub
    der Wut, ein Spott der Leute.“

  8. „Ich ruf und du antwortest nie,
    und mich verlassen alle.
    In meinem Durste reichen sie
    mir Essig dar mit Galle.
    Wie Wachs zerschmilzt in mir mein Herz.
    Sie sehn mit Freuden meinen Schmerz,
    die Arbeit meiner Seelen.
    Warum verlässt du deinen Knecht?
    Mein Gott, mein Gott! ich leid und möcht
    all mein Gebeine zählen.“

  9. Du neigst dein Haupt. Es ist vollbracht.
    Du stirbst! Die Erd erschüttert.
    Die Arbeit hab ich dir gemacht;
    Herr, meine Seele zittert.
    Was ist der Mensch, den du befreit?
    O wär ich doch ganz Dankbarkeit?
    Herr, lass mich Gnade finden.
    Und deine Liebe dringe mich,
    dass ich dich wieder lieb und dich
    nie kreuzige mit Sünden.

  10. Welch Warten einer ew’gen Pein
    für die, die dich verachten;
    die, solcher Gnade wert zu sein,
    nach keinem Glauben trachten!
    Für die, die dein Verdienst gestehn
    und dich durch ihre Laster schmähn
    als einen Sündendiener!
    Wer dich nicht liebt, kömmt ins Gericht.
    Wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht;
    ihm bist du kein Versühner.

  11. Du hast’s gesagt. Du wirst die Kraft
    zur Heiligung mir schenken.
    Dein Blut ist’s, das mir Trost verschafft,
    wenn mich die Sünden kränken.
    Lass mich im Eifer des Gebets,
    lass mich in Lieb und Demut stets
    vor dir erfunden werden.
    Dein Heil sei mir der Schirm in Not,
    mein Stab im Glück, mein Schild im Tod,
    mein letzter Trost auf Erden!

English Translation

  1. Search me, examine my heart,
    and behold, Lord, what my thoughts are!
    I think about the pain of your suffering,
    about your love, and I weep.
    Blessed be your cross to me!
    What a miracle of mercy
    have you revealed to the world!
    How can I contemplate this enough,
    and with all my strength
    sufficiently praise you for it?

  2. Wisdom, Power, Prince of Peace and Champion!
    Clothed in flesh and blood,
    you became a sacrifice for the world,
    and your soul suffered.
    Your friend, who betrayed you, is at hand.
    The wrath of God’s hour is here
    and terror pours down.
    You despair and feel the pangs of hell:
    If possible, Father, then let
    the cup pass by me!

  3. Your sweat was blood, you struggled and despaired
    and fell down to the ground.
    You, Son of the Highest, fought and offered
    the first prayer again.
    Strengthened by God, you sensed in the conflict
    the horror of an eternity
    of never-ending punishment.
    You took upon yourself the guilt of humanity
    and gave yourself with divine patience
    into the hands of sinners.

  4. You took on the evildoers’ reward
    yet never committed sin,
    you, the Righteous One, God’s Son!
    Thus it was prophesied before.
    The impious crowd desired your blood;
    you suffered, divinely great, its rage
    in order to rescue souls.
    I was your killer, Jesus, as well;
    since God heaped all sins upon you,
    in order for us to attain peace.

  5. Humiliated unto servitude
    and yet with greatness in your heart,
    you endured mockery, shame and violence
    injurious and painful.
    We looked on you, prophecy’s fulfillment;
    yet there we found nothing that pleased us,
    neither in form nor beauty.
    Before you, Lord, our hope,
    faces were turned away;
    the children of the covenant abjured you.

  6. A sacrifice according to the eternal plan,
    laden with our troubles,
    for the sake of your peoples’ sins
    martyred and destroyed,
    you walked the path of the cross,
    in silent innocence, like a lamb
    which is led to the slaughter block.
    Willingly, like the bravest of the brave,
    you bore, out of love for the world,
    the death that we had earned.

  7. “They have pierced my hands
    and my feet,
    and these are great shackles here
    with which, O God, they have bound me.
    I cry out, and my help is far away.
    They laugh at me: He cries out to the Lord,
    to see if he will rescue him!
    You lay me down in the ashes of death.
    I am no human, but a worm; prey
    to rage, a sport for the crowd.”

  8. “I call and you do not answer,
    and everyone abandons me.
    In my thirst they offer me
    vinegar mixed with gall.
    My heart dissolves within me like wax.
    They rejoice in my suffering,
    in the labor of my soul.
    Why have you abandoned your servant?
    My God, my God! I suffer and can
    count every one of my bones.”

  9. You bow your head. It is fulfilled.
    You die! The earth trembles.
    I have given this task to you;
    Lord, my soul quakes.
    What is mankind, whom you have freed?
    Oh, could I be thankfulness entire!
    Lord, may I find mercy.
    And your love urges me
    to love you in return, and never
    to crucify you with my sins.

  10. What an endless suffering awaits
    for those who spurn you;
    for those who, to earn such mercy,
    never consider any faith!
    For those who acknowledge your deed
    yet through their own blasphemy taunt you
    as a sinner!
    Whoever does not love you will face judgment.
    Whoever does not keep your word does not love you;
    you will not atone for him.

  11. You have spoken.
    You will grant me strength for deliverance.
    Your blood it is that brings me comfort,
    when sin afflicts me.
    May I, in fervent prayer,
    in love and humility, always
    find myself in your presence.
    May your salvation be my protection in need,
    my staff in happiness, my shield in death;
    my last consolation on earth!

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