• Carl Philipp Emanuel Bach
1758

50. Wider den Aufschub der Bekehrung

  • Voice · C#5 – G#5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text

  1. Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben,
    so schändest du sein Wort und mußt dich selbst nicht lieben.
    Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück?
    Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick?

  2. Allein, wie schwer ist’s nicht, sein eigen Herz bekämpfen,
    Begierden widerstehn und seine Lüste dämpfen?
    Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh
    ist dies der einz’ge Weg. Und dem entsagest du?

  3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen?
    Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen.
    Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann,
    der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann?

  4. Sprich selbst: Gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene,
    und, seiner wert zu sein, im Glauben mich erkühne?
    Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr gebeut,
    wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit?

  5. Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen?
    Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen.
    Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu sein?
    Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein.

  6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen.
    Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen?
    Er gab dir die Vernunft und du verleugnest sie?
    Er sendet dir sein Wort und du gehorchst ihm nie?

  7. Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen,
    mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen;
    itzt ist dies Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit,
    die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit?

  8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen,
    je stärker wird der Hang, die Tat zu wiederholen.
    Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein:
    Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun!

  9. Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken?
    Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken?
    Ist ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung
    und Angst und Missetat die wahre Heiligung?

  10. Ist’s gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten,
    wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten;
    ist das Bekenntnis gnug, dass uns die Sünde reut:
    So ist kein leichter Werk als deine Seligkeit.

  11. Doch fodert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen.
    Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen;
    ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst:
    So zittre vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst.

  12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte?
    Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte?
    Erschreckt dich nicht sein Wort? Gibt in verkehrten Sinn
    den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin?

  13. Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben
    und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben?
    Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht,
    so ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht.

  14. Noch heute, weil du lebst und seine Stimme hörest,
    noch heute schicke dich, dass du vom Bösen kehrest.
    Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein
    dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun.

  15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen;
    der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen.
    Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort,
    sei wacker! Gott ist nah und stärkt dich durch sein Wort.

  16. Ruf ihn in Demut an, er tilget deine Sünden.
    Und lässt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden,
    so widerstreb ihm nicht, denn Gottes Traurigkeit
    wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut.

  17. So süß ein Laster ist, so gibt’s doch keinen Frieden.
    Der Tugend nur allein hat Gott dies Glück beschieden.
    Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Teil;
    ein Mensch, der Gott verlässt, verlässt sein eignes Heil.

  18. Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Leiden,
    Gott kennt und liebt dein Glück, sie führt zu deinen Freuden,
    macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht,
    gibt Weisheit und Verstand und Mut zu deiner Pflicht.

  19. Sprich selbst: Ist dies kein Glück, mit ruhigem Gewissen
    die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen
    und mäßig und gerecht in dem Genusse sein
    und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?

English Translation

  1. If you still postpone the repentance that God demands,
    you dishonor his word and must not even love yourself.
    Is self-improvement not the delight of your soul?
    And who would willingly postpone their salvation for even a moment?

  2. However, isn’t it difficult to battle one’s own heart,
    to resist desires and muffle its cravings?
    Indeed, sinner, it is hard; but for your peace
    this is the only path. And you reject it?

  3. If your duty comes from God, how can you forget it?
    He has apportioned it to you according to your ability.
    Yet you still hesitate? Is God a tyrant, then,
    who wants more from me than I can give him?

  4. Say to yourself: Does God succeed, when I serve him filially,
    and become bold in faith to be worthy of him?
    If you practice virtue, which God your Lord commands,
    whom do you serve? Aren’t you striving for your own happiness?

  5. Yet you still hesitate to abandon vice?
    Since it is bad for you, to hate it is God’s command.
    Yet you still hesitate to be virtue’s friend?
    Since it makes you happy, it alone is God’s command.

  6. God lends you the strength to accomplish good.
    Should he force you to obey him through his omnipotence?
    He gave you reason, and you deny it?
    He sent you his word, and you never listen to it?

  7. Do not say: God knows my heart; I have promised him
    at some point, soon to detach myself from vice;
    right now the task is too hard for me. Yet this difficulty,
    which today terrifies you, won’t it grow worse in time?

  8. As often as you fulfill what flesh and blood demands,
    the habit of repeating the deed will strengthen.
    If you do not mind becoming God’s enemy today,
    what little will you mind doing tomorrow!

  9. Is repentance, then, a matter of a few moments?
    Couldn’t a rapid death wrest you from the world today?
    Is a cry to God, a desire for improvement,
    and anxiety, and sin, true salvation?

  10. If it were enough, to achieve the blessed joy of redemption
    to reassure ourselves, when death seized us;
    if it were enough to acknowledge that we repent our sins:
    then there would be no easier achievement than your salvation.

  11. Yet God requires of us purity of soul.
    No soul is pure which is lacking in faith and love;
    if this is your calling, to serve God whom you love:
    then tremble at yourself if you avoid this task.

  12. Faith heals you. Is this your doing?
    No, human! Yet you avoid the Holy Spirit’s power?
    Doesn’t his word strike fear in you? In the perverted mind
    of a sinner who persists, is God not, finally, absent?

  13. Did Christ save us, so that we would remain sinners
    and, confident in his blood, exalt vice further?
    If Christ’s word does not demand virtue, justice and duty,
    then it is not from God. God does not contradict himself.

  14. Even today, while you live and hear his voice,
    even today apply yourself to turn away from evil.
    Commune with your God if you don’t want, to your sorrow,
    to regret forever the happiness you neglected.

  15. With renewed courage decide to conquer yourself;
    the victory, hard as it is, brings divine pleasure.
    Why do you despair? Even if it progresses slowly in the beginning,
    be brave! God is near and strengthens you through his word.

  16. Call to him in humility; he absolves your sins.
    If at first his law makes you feel its condemnation,
    do not resist it, for God’s compassion
    will create repentance in you that you will never regret.

  17. However sweet a vice is, it provides no peace.
    To virtue alone God has allotted this bliss.
    A person who obeys God chooses the best portion;
    a person who relinquishes God gives up his own salvation.

  18. This atonement does not lead you into a world of suffering,
    God knows and loves your welfare; it leads to your joy,
    makes your soul pure, fills you with confidence,
    gives wisdom and understanding and courage for your duty.

  19. Say to yourself: Is this not joy, with a quiet conscience
    to enjoy the things of this world and life’s delight,
    and to be restrained and just in that enjoyment,
    and to rejoice in bliss already here, in faith?

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