6. Die Zufriedenheit in Gott

  • Voice · F#4 – G5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text by Christian Fürchtegott Gellert

  1. Was ist’s, das mein vergnügt Gemüte
    mit neuer Heiterkeit belebt
    und durch ein wallendes Geblüte
    den Geist der Fröhlichkeit erhebt?
    Ich fühle über Gram und Kummer
    auf einmal mich hinausgesetzt.
    Mein Geist erwacht aus seinem Schlummer
    und fühlt ein Feur, das ihn ergötzt.

  2. Was sonst ihn konnte niederdrücken,
    scheint jetzt ihm eine Kleinigkeit.
    Er sieht auf das mit heitern Blicken,
    was er sich sonst zu sehn gescheut.
    Erhaben über mein Geschicke,
    erheb ich mich, o Gott! zu dir
    und stelle dem vergnügten Blicke
    dich, meinen ew’gen Vater, für.

  3. Was gleicht, o Vater! deiner Liebe?
    Wie zärtlich ist dein göttlich Herz,
    du fühlst des Mitleids zarte Triebe,
    dich rührt der Reue banger Schmerz.
    Du blickst mit gnädigem Erbarmen
    den bußerfüllten Menschen an,
    der bei dir immer offne Armen
    zu seinem Schutze finden kann.

  4. Wie selig ist es, dich erkennen
    und deines Beifalls sicher sein!
    Das Recht, sich, Gott, dein Kind zu nennen,
    wie viele Freuden flößt es ein?
    Was ist die Welt mit ihren Schätzen,
    für den, der dich zum Vater hat?
    Wie viel vergnügendes Ergötzen
    erschafft der Seele deine Gnad?

  5. Sie, deine heiligen Gesetze,
    sind voller Huld und Billigkeit,
    sie sind des Menschen größte Schätze;
    sie üben, ist Glückseligkeit.
    Sie sollen meine Führer bleiben
    durch diesen finstern Aufenthalt.
    Der Tugend will ich mich verschreiben,
    solang mein Geist hienieden wallt.

  6. Wie glücklich macht mich dies Entschließen?
    Nie wird mich diese Wahl gereun;
    das Laster liegt zu meinen Füßen,
    nie soll mich seine Lust erfreun.
    Zu groß für ein vergänglich Glücke,
    verwirft mein Geist den Tand der Welt;
    ich weiß ein seliger Geschicke,
    das mir der Himmel aufbehält.

English Translation

  1. What is it that refreshes my delighted mind
    with renewed cheer,
    and through a blossoming surge
    uplifts the spirit of happiness?
    Once again I feel myself delivered
    from grief and anguish.
    My spirit awakens out of its slumber
    and feels a fire that brings delight.

  2. What once was able to oppress my spirit
    now appears an insignificant speck.
    With cheerful gaze it now confronts
    what it shunned to behold before.
    Detached from my fate,
    I lift myself, O God! to you,
    and establish my contented glance
    in you, my eternal Father.

  3. O Father! What is like your love?
    How tender is your divine heart;
    you feel the soft promptings of compassion,
    the anxious pain of regret moves you.
    You behold with gracious mercy
    the repentant person,
    who in your constantly open arms
    can find his refuge.

  4. How blessed it is to know you
    and to be assured of your approval!
    The right to call oneself your child, God,
    how many joys flow from this?
    What is the world with its treasures,
    for him who has you for Father?
    How many pleasant delights
    does your grace create for the soul?

  5. These your holy commandments,
    full of grace and simplicity,
    are the greatest treasures of humanity;
    to obey them is bliss itself.
    They shall be my guides
    through this dark way station.
    I will ascribe myself to virtue,
    as long as my spirit wanders here below.

  6. How happy does this decision make me?
    I will never regret this choice;
    vice lies beneath my feet,
    and its delights will never make me happy.
    Too large for mortal happiness,
    my soul rejects the world’s plaything;
    I know that a more blessed fate
    heaven preserves for me.

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