• Carl Philipp Emanuel Bach
1774

29. Der 104. Psalm

  • Voice · D4 – G5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text

  1. Erheb, erheb, o meine Seele,
    Gott, meinen Schöpfer, und erzähle,
    verkündige sein Lob der Welt!
    Ihm singe deine Jubellieder;
    der Fromme halle sie ihm wieder,
    ihm, der uns schuf und uns erhält!
    Frohlockt ihm, alle seine Heere!
    Ihm weihet euern Lobgesang!
    Der Herr ist würdig, Preis und Ehre
    zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank.

  2. Herr, dir ist niemand zu vergleichen;
    kein Lob kann deine Größ erreichen,
    kein noch so feuriger Verstand.
    Pracht, Majestät und Ruhm umgeben
    dich, aller Wesen Quell und Leben,
    Licht ist dein strahlenvoll Gewand.
    Du baust in unermessne Höhen,
    Allgegenwärtiger, dein Haus
    und wölbst mit dichten Wasserseen
    die glanzerfüllte Wohnung aus.

  3. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter,
    herabfährst, wenn du in dem Wetter
    einhergehst uns so fürchterlich!
    Du willst und Wolken sind dein Wagen;
    dein Wagen donnert, willig tragen
    die Fittiche des Sturmes dich.
    Die Engel fliegen gleich den Winden
    vor dir voran, Herr Zebaoth;
    wie Flammen, die sich schnell entzünden,
    sind deiner Allmacht Diener, Gott.

  4. Du hast der Erde Grund geleget,
    nun steht sie ewig unbeweget;
    vor Alters war die Tief ihr Kleid.
    Auf allen Bergen standen Wasser;
    du schaltst sie, da entflohn die Wasser
    durch deines Donners Kraft zerstreut.
    Der Berge Gipfel, Herr, erschienen,
    erhoben durch dein mächtig Wort;
    die Täler sanken unter ihnen
    an den für sie bestimmten Ort.

  5. Nun steht der Wasser Wut umdämmet,
    dass sie, durch deinen Arm gehemmet,
    die Erde nicht verwüsten kann.
    Du sprichst; der Berge Schoß entquellen
    die Brunnen, werden Bäch und schwellen
    zu Strömen und zu Seen an.
    Aus ihnen schöpft das Volk der Felder
    Erquickung, bis sein Durst sich stillt;
    auch rieseln Wasser durch die Wälder,
    erfrischen und erfreun das Wild.

  6. Viel schattenvolle Bäume grünen
    an deinen Wassern, und aus ihnen
    ertönt der Vögel Lust und Dank.
    In ihrer Zweige Schutz verborgen,
    frohlocken sie dir jeden Morgen,
    tönt dir des Abends ihr Gesang.
    Mit deinem segenvollen Taue
    wird jeder steile Berg erquickt.
    Auch grünen fröhlich Feld und Aue,
    mit deinen Früchten, Gott, geschmückt.

  7. Durch dich entsprießt, damit die Herden
    der sichern Flur gesättigt werden,
    das Gras und kleidet, Gott, das Land.
    Uns blühn die Kräuter, und der Segen
    der Saaten reifet uns entgegen
    und füllt des frohen Schnitters Hand.
    Brot gibst du für des Menschen Leben;
    und unsre Herzen zu erfreun,
    gibst du den traubenvollen Reben
    mit milder, reicher Hand den Wein.

  8. Du schaffst das Öl, uns zu erquicken,
    des Menschen Angesicht zu schmücken,
    und heiter glänzt sein Angesicht.
    Wem gibst du, Gott, nicht Brot die Fülle,
    dass jeder seinen Hunger stille?
    Wen stärkt du, wen erfreust du nicht?
    Die Bäume leben und empfangen
    von dir des Obstes Überfluss;
    gepflanzt von deinen Händen prangen
    die Zedern auf dem Libanus.

  9. Die Vögeln baun in ihren Wipfeln,
    die Störch in hoher Tannen Gipfeln,
    gebildet und ernährt durch dich.
    Die Gemse liebt der Felsen Spitzen,
    den jähen Berg; in ihren Ritzen
    verbergen die Kaninchen sich.
    Den Mond erschuf uns deine Gnade,
    er leuchtet uns und teilt die Zeit;
    die Sonne kennt und eilt die Pfade,
    die ihr dein Wink zu gehn gebeut.

  10. Der Mensch, von seinem Fleiß ermattet,
    ruht, von der Finsternis umschattet,
    und nur das Volk der Wüste wacht.
    Dann gehn die Tier aus ihren Wäldern
    und suchen auf betauten Feldern
    sich ihre Nahrung in der Nacht.
    Des jungen Löwen laut Gebrülle
    begehret seinen Raub von dir;
    du nährst es, Gott, aus deiner Fülle,
    du sättigst jedes wilde Tier.

  11. Die Morgenröte kömmt, schon glühen
    des Tages Strahlen, schnell entfliehen
    die Tier in ihre Höhlen hin.
    Der Mensch erwacht und pflanzt und säet;
    dein Segen folgt ihm, wo er gehet,
    und jeder Fleiß wird sein Gewinn.
    Wie zahllos, Gott, sind deine Werke!
    Die Welt ist deiner Güte voll.
    Du gibst sie, dass man deine Stärke
    und Huld und Weisheit rühmen soll.

  12. Wie wimmelt’s in den weiten Meeren
    von größern und von kleinern Heeren;
    dein Leviathan spielet hier.
    Die Schiffe finden sichre Bahnen
    selbst auf den wilden Ozeanen,
    geführt, erhalten, Gott, von dir.
    Herr, alles wartet auf der Erde,
    im Meer und in der Luft auf dich,
    dass es von dir gesättigt werde.
    Du segnest, sie erquicken sich.

  13. Du gibst, sie sammeln; was sie haben,
    sind deiner milden Hände Gaben;
    du sättigst sie mit Freundlichkeit.
    Dein Angesicht ist Heil und Leben;
    Herr, du verbirgst es, sie erbeben;
    ihr Odem fliehet, weil es dräut.
    Du zürnest, Gott, und das Verderben
    ergreift begierig seinen Raub;
    still steht das Leben, und sie sterben
    und werden, was sie waren, Staub.

  14. Dein Odem tötet und beseelet;
    die Welt, die deine Huld erzählet,
    erneuert sich auf dein Gebot.
    Dein Ruhm ist ewig, deine Stärke
    schuf und bewahret deine Werke;
    sie sind dein Wohlgefallen, Gott.
    Du schaust die Erd an, sie erzittert;
    du tastest an der Berge Höhn,
    und Berg und Fels, durch dich zersplittert,
    sind Flammen, dampfen und vergehn.

  15. Gott, meinem Gott, will ich lobsingen;
    ihm will ich Dank und Ehre bringen,
    ihm, weil ich atme, Lieder weihn!
    Die frommen Lieder, die ihn ehren,
    wird er mit Wohlgefallen hören;
    ich will mich in dem Herrn erfreun!
    Die Erde trägt zwar viel Verbrecher,
    doch bald vertilget Gott ihr Heer:
    Er schaut sie an, der Laster Rächer,
    und alle Frevler sind nicht mehr.

  16. Erheb, erheb, o meine Seele,
    Gott, meinen Schöpfer, und erzähle,
    verkündige sein Lob der Welt!
    Ihm singe deine Jubellieder;
    der Fromme halle sie ihm wieder,
    ihm, der uns bildet und erhält!
    Frohlockt ihm, alle seine Heere!
    Ihm weihet euern Lobgesang!
    Der Herr ist würdig, Preis und Ehre
    zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank.

English Translation

  1. Exalt, exalt, O my soul,
    God my Creator, and declare,
    announce his praise to the world!
    Sing your jubilant songs to him;
    let the righteous echo them again to him,
    to him, who created us and sustains us!
    Delight in him, all you multitudes!
    Dedicate your songs of praise to him!
    The Lord is worthy to receive
    praise and honor, fame, glory, and gratitude.

  2. Lord, there is none like you;
    no praise can encompass your greatness,
    no understanding, however incandescent.
    Magnificence, majesty, and glory surround
    you, the source and life of all beings;
    light is your radiant garment.
    In the immeasurable heights you build,
    Omnipresent One, your house,
    and you vault with dense watery seas
    the light-imbued dwelling.

  3. What are you, God of gods, when you
    journey forth; when in the storm
    you descend to us so frightfully!
    You command, and clouds become your chariot;
    your chariot thunders, gladly bearing
    you upon the wings of the storm.
    The angels fly like the winds
    before you, Lord Sabaoth;
    like rapidly kindled torches
    are the servants of your omnipotence, O God.

  4. You have laid the foundations of the earth,
    now they stand eternally fixed;
    of old the deep was their garment.
    Over all the mountains lay waters;
    you bid them, then the waters fled,
    scattered by the power of your thunder.
    The mountain peaks, Lord, appeared,
    uplifted through your powerful word;
    the valleys sank beneath them
    to the location appointed for them.

  5. Now the water’s rage is contained,
    so that, held back by your arm,
    it cannot ravage the earth.
    You speak; from the bosom of the mountains
    springs arise, become brooks, and swell
    into rivers and lakes.
    From them the people of the fields
    find refreshment, until their thirst is quenched;
    and water trickles through the forests,
    reviving and delighting the beast.

  6. Many shady trees flourish
    by your waters, and out of them
    the joy and gratitude of the birds rings forth.
    Hidden in their protective branches,
    they celebrate you every morning;
    sing their songs to you in the evening.
    With your blessing-bearing dew
    each craggy mountain is revived.
    The happy fields and meadows turn green as well,
    adorned with your fruits, O God.

  7. Through you, so that flocks
    might be sated upon secure pastures,
    the grass springs up and clothes, O God, the land.
    For us the plants bloom, and the blessing
    of the harvest ripens for our sake,
    and fills the happy reaper’s hand.
    You give us bread for human life;
    and to delight our hearts,
    from the juice-filled grapes you give us
    wine with kind and generous hands.

  8. You create oil, to revive us,
    to adorn human faces
    and to make them shine brighter.
    To whom, God, have you not given their fill of bread,
    so that each might quiet their hunger?
    Whom do you not strengthen, not delight?
    The trees live and receive
    from you an abundance of fruit;
    planted by your hands, gloriously
    the cedars of Lebanon stand.

  9. The birds build in their treetops,
    the storks in the peaks of high roofs,
    reared and nurtured through you.
    The goat loves the rocky crags,
    the steep mountain; in their crevices
    the little rabbits hide themselves.
    The moon lends its grace to us,
    illuminating us and dividing the hours;
    the sun knows and runs its course,
    which your signal ordained for it to follow.

  10. The man, weary from his labor,
    rests, shaded by darkness,
    and only the people of the wilderness wake.
    Then the beast comes out of its forests,
    and in the dewy fields seeks
    its nourishment in the night.
    The young lion roars loudly,
    desiring his prey from you;
    you nourish him, God, out of your abundance;
    you feed each wild animal.

  11. The dawn comes, already
    the light of day glows; quickly
    the animals flee into their dens.
    Man awakens, and plants and sows;
    your blessing follows him along his way,
    and every labor is successful.
    How countless, God, are your deeds!
    The world is full of your goodness.
    You provide for them, so that your power
    and mercy and wisdom might be celebrated.

  12. How the broad oceans teem
    with great and small multitudes;
    your Leviathan sports here.
    The ship finds safe courses
    even upon the wild oceans,
    guided, sustained, God, by you.
    Lord, everything waits for you,
    on the earth, in the sea, and in the air,
    for you to nourish them.
    You bless them, and they revive.

  13. You provide, they gather; whatever they have
    are the gifts of your gentle hands;
    you nourish them with kindness.
    Your countenance is salvation and life;
    Lord, when you hide it, they tremble;
    their breath stops, as peril looms.
    You frown, God, and destruction
    eagerly seizes its prey;
    life ceases, and they die
    and become, as they once were, dust.

  14. Your breath slays and animates;
    the world, which declares your mercy,
    is renewed at your command.
    Your fame is eternal, your power
    created and protects your works;
    they are your delight, God.
    You look upon the earth, it shudders;
    you touch the mountain peak,
    and mount and crag, split open by you,
    flame up, crumble, and disappear.

  15. God, my God, I will sing your praise;
    to him I will bring thanks and reverence,
    as long as I have breath, dedicate songs to him!
    The holy songs, which honor him,
    he will listen to with benevolence;
    I will delight in the Lord!
    The earth might contain many offenders,
    yet soon God will purge their numbers:
    he looks at them, the avenger of blasphemy,
    and all the sinners are no more.

  16. Exalt, exalt, O my soul,
    God my Creator; and declare,
    announce his praise to the world!
    Sing your jubilant songs to him;
    let the righteous echo them again to him,
    to him, who created us and sustains us!
    Delight in him, all you multitudes!
    Dedicate your songs of praise to him!
    The Lord is worthy to receive
    praise and honor, fame, glory, and gratitude.

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