9. Das wohltätige Leben Jesu

  • Voice · E4 – E5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text by Christoph Christian Sturm

  1. Zu dir erhebt sich mein Gemüte,
    du Freund der Menschen, Jesu Christ!
    der du durch Wohltun und durch Güte
    der Welt ein Beispiel worden bist.
    Du lebtest Sündern nur zum Besten!
    Sie zu befreien und zu trösten,
    entsagtest du der Herrlichkeit.
    Nur wohlzutun war dein Bestreben:
    Der Zweck von deinem ganzen Leben
    war deiner Menschen Seligkeit.

  2. Nicht schrecklich waren deine Werke
    und nicht den Sündern zum Gericht.
    Du warst der blöden Seelen Stärke
    und der Bedrängten Zuversicht.
    Dein Blick war wie dein Herz voll Güte;
    dein Mund verhieß den Sündern Friede
    und deine Hand gab Armen Brot.
    Du sahst die Tränen der Betrübten,
    die Sehnsucht derer, die dich liebten.
    Auf deinen Wink entfloh der Tod.

  3. Du fühltest deiner Freunde Leiden
    mehr als du deine Not empfandst.
    Du schmecktest nichts von Ruh und Freuden,
    so oft du Menschen leidend fandst.
    Auch selbst mit Schwächung deiner Kräfte
    war es dein tägliches Geschäfte,
    als Menschenfreund umherzuziehn.
    Eh noch ein Leidender es wagte
    und dir sein Elend tränend klagte,
    erquickte schon dein Beistand ihn.

  4. Errettung, Nachsicht und Erbarmen
    fand jeder, der sich dir genaht.
    Mitleidig schenktest du den Armen
    die Hülfe, die er sich erbat.
    Dem Lahmen stärktest du die Glieder,
    dem Stummen kam die Sprache wieder,
    dir dankten Blinde das Gesicht.
    Nie wurdest du des Wohltuns müde:
    Die Sünder fühlten Ruh und Friede
    und glaubten und verzagten nicht.

  5. Herr, wo du gingst, auf jedem Schritte,
    da folgten Lieb und Mitleid nach.
    Sie folgten in des Reichen Hütte
    und unter der Verlassnen Dach.
    Der Tempel wie die öden Wälder,
    die Städte wie die freien Felder
    empfanden deine Gütigkeit.
    Wo Kummer war, warst du zugegen;
    dein holder Zuspruch und dein Segen
    vertrieb des Leidens Bitterkeit.

  6. So gingst du stille auf deinem Pfade
    dem dir bestimmten Tode zu;
    noch war in deinen Blicken Gnade,
    in deiner Seele Himmelsruh.
    Auch dann, als Schrecken und Gefahren
    von allen Seiten nahe waren,
    verließ dich nicht dein Edelmut.
    Du bliebst ein Schutzgott deiner Freunde,
    bliebst ein Erbarmer deiner Feinde
    und liebtest sie bei ihrer Wut.

  7. O Jesu! wäre doch mein Leben
    dem deinen gleich! Wär ich wie du
    so ganz der Menschenlieb ergeben,
    so sanft, so mitleidvoll wie du!
    O pflanz in mich die holden Triebe
    des Mitleids und der Menschenliebe
    und gib mir deinen edlen Sinn!
    So zier ich, Jesu, deine Lehre:
    So krönet mich dereinst die Ehre,
    dass ich dein Kind und Erbe bin.

English Translation

  1. To you my thoughts ascend,
    friend of mankind, Jesus Christ!
    Since you became a model for the world
    through good deeds and kindness.
    You lived only for the betterment of sinners!
    To release them and comfort them,
    you relinquished glory.
    Your purpose was only to do good:
    the goal of your entire life
    was the happiness of your people.

  2. Your deeds were not terrifying,
    and not to bring judgment upon sinners.
    You were the strength of the confused soul
    and the confidence of the oppressed.
    Your gaze was, like your heart, full of kindness;
    your mouth promised peace to sinners
    and your hand gave bread to the poor.
    You saw the tears of the troubled,
    the longing of those who loved you.
    At your signal death fled.

  3. You felt your friends’ troubles
    more than you felt your own need.
    You tasted nothing of peace and joy
    as long as you found people suffering.
    Even with the weakening of your powers
    it was your daily business
    to go about as the friend of humanity.
    Before a sufferer even began
    to tearfully lament his misery to you,
    your presence had already relieved him.

  4. Rescue, consideration, and mercy
    found each who approached you.
    Filled with pity, you granted the poor
    the aid that they sought.
    You strengthened the limbs of the lame,
    the speech returned to the dumb,
    the blind had you to thank for sight.
    You never tired of good deeds:
    sinners felt rest and peace,
    believed, and did not despair.

  5. Lord, where you went, at every step,
    love and sympathy followed after.
    They followed into the rich man’s dwellings
    and under the roof of the outcast.
    The temple, as well as barren wilderness,
    the city, as well as open fields,
    felt your kindness.
    Wherever trouble was, you came;
    your gracious counsel and your blessing
    drove away the bitterness of sorrow.

  6. Thus you went quietly on your path
    to your appointed death;
    still in your glance was mercy,
    in your soul, heavenly peace.
    Even then, as fear and danger
    drew near on all sides,
    you did not give up your noble spirit.
    You remained a guardian spirit for your friends,
    remained merciful toward your enemies
    and loved them in their raving.

  7. O Jesus! If only my life were
    like yours! Were I, like you,
    so much given to the love of mankind,
    so gentle, so merciful, like you!
    Oh, plant in me the tender urgings
    of pity and of compassion
    and give me your noble mind!
    Thus I revere, Jesus, your teaching:
    thus may honor one day crown me,
    since I am your child and heir.

Resources