• Carl Philipp Emanuel Bach
1788–89

11. An den Schlaf

  • Voice · B3 – E5
  • Keyboard: Fortepiano / Harpsichord / Clavichord

German Text

  1. Komm, süßer Freund der Müden,
    dich grüß ich gähnend schon,
    du bist für mich hienieden
    des Schweißes bester Lohn.
    In meinen matten Blicken
    schaust du dein sanftes Bild.
    Komm, Schlaf, mich zu erquicken,
    weil mich die Nacht umhüllt.

  2. In deinem stillen Schoße
    ist mir so wonniglich,
    dich wünscht so mancher Große,
    vergebens wünscht er dich.
    Du deckst mit deinen Schwingen
    umsonst ihn manche Nacht,
    o Schlaf, dich zu erzwingen,
    hilft nicht des Reichtums Pracht.

  3. Du wallest leise nieder
    auf manches klagend Herz,
    und bald entfliehst du wieder,
    verscheucht durch Gram und Schmerz.
    Wie mancher würf die Sorgen
    in deinen Schoß dir gern
    und ist bis an den Morgen
    mit seinem Joch dir fern.

  4. Im schmutzigen Gewühle
    wälzt sich der Tor herum,
    er sucht im Schwarm und Spiele
    nur sein Elysium.
    Zu diesem schwarzen Glücke
    dringt er berauscht hinzu
    und flieht mit trübem Blicke
    dafür die süße Ruh.

  5. Man lass die Toren machen,
    ich mach es nicht wie sie,
    so Nächte durchzuwachen
    ist meine Sache nie.
    Entfernt von Spiel und Schwärmen,
    o Freund, erwart ich dein!
    Verscheuch mir Gram und Härmen
    und stärke mein Gebein.

  6. Wie du in niedern Hütten
    um gute Menschen schwebst
    und nach so manchen Schritten
    den Wandrer neu belebst;
    so schweb auch um mein Bette,
    so werd auch ich erquickt,
    bis früh die Morgenröte
    mein helles Aug erblickt.

English Translation

  1. Come, sweet friend of the weary,
    Already yawning I greet you,
    from now on, you are for me
    the best reward of effort.
    Into my tired glances
    your gentle image gazes.
    Come, sleep, to refresh me,
    since night envelops me.

  2. In your quiet lap
    I find such delight;
    many a powerful man desires you,
    yet hopelessly he yearns for you.
    In vain you shadow him
    with your wings many nights;
    oh sleep, to compel you
    the riches of a kingdom cannot help.

  3. You fall softly down
    upon many lamenting hearts,
    yet you soon fly away again,
    driven away by grief and pain.
    How many would toss their cares
    gladly into your lap;
    yet, until morning, remain
    with their burdens, far from you.

  4. In filthy chaos
    the fool stumbles about,
    in crowds and pastimes alone
    he seeks his Elysium.
    To this black fate
    he hurriedly presses forward,
    and for its sake, with darkened glance,
    abandons sweet rest.

  5. Let the fools do what they want,
    I will not do as they;
    thus to spend the night awake
    has never been my choice.
    Far from pastimes and crowds,
    oh friend, I await you!
    Drive grief and danger away from me
    and strengthen my limbs.

  6. As you, in lowly huts
    hover around good people,
    and after many, many steps
    revive the traveller anew;
    so hover around my bed as well;
    then I will also be refreshed,
    until the early dawn
    illumines my bright eye.

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